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Umgang mit Thais

 

Das Königreich Thailand, bis zum Jahre 1939 Siam genannt, war als einziges südostasiatisches Land zu keinem Zeitpunkt Kolonie. Hierauf sind die Thais besonders stolz und man sollte dies bei Gesprächen berücksichtigen. Der gesellschaftliche Umgang der Thais untereinander ist durch förmliche Höflichkeitsbeziehungen geprägt, bei denen Alter und Stellung die entscheidende Rolle spielen. Dem Ausländer begegnen sie mit Freundlichkeit, jedoch in aller Regel auch mit innerer Zurückhaltung. Das sprichwörtliche Thai-Lächeln kann – anders als bei uns – auch negative Emotionen ausdrücken wie Verlegenheit oder Scham. Empfindlich reagieren die Thais auf Kritik und sei sie auch wohlgemeint sowie auf manche Erscheinungen westlicher Lebensart. Ohne entsprechende Vorbereitung kann man im sozialen Umgang mit Thais sehr oft ins Fettnäpfchen treten, obwohl die Einheimischen gegenüber Ausländern tolerant sind und über begangene Fehler mit einem „Mai Pen Rai“ (Macht doch nichts) hinwegsehen.
Hier einige Beispiele für den Umgang mit Thais: An Charme nicht zu überbieten ist das Grußzeremoniell. Dabei werden die Hände flach wie zur Andacht gefaltet, der Kopf leicht nach vorne gesenkt und ein freundliches Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Die Haltung der Hände signalisiert etwas über die soziale Stellung und das Alter des Gegenübers. Führt man die Hände zusätzlich an die Stirnhöhe oder darüber, so ist dies eine besondere Respektbezeugung. Generell grüßt der Jüngere, der Ältere antwortet auf die gleiche Weise.
Die freundliche Gelassenheit der Thais verliert sich auch in extremen Situationen genauso wenig, wie ihnen Ungeduld fremd ist. Kleine Widrigkeiten des Alltags – wie z.B. das lange Stehen in einer Schlange – sind kein Anlass zur Aufregung. Denn nach ihrer Lebensphilosophie ist nichts so dramatisch, dass es die gute Laune oder den Spaß am Leben verderben könnte. Dieses Lebensgefühl beherrscht das Alltagsleben und man muss sich ganz einfach anpassen.
Unter allen Umständen sollte man vermeiden, einen Thai am Kopf zu berühren. Er ist Sitz der Seele und somit der heiligste Teil des Körpers. Selbst ein liebevoll gemeintes Streicheln über das Oberhaupt eines Kindes bewirkt oft das Gegenteil. Auch sollte man eigentlich niemals auf den Kopf eines anderen herabsehen, was sich allerdings von den normalerweise hochgewachsenen Europäern nicht immer vermeiden lässt. Der Fuß hingegen ist schmutzig, unwürdig und deshalb auch beleidigend. Sogar das bei uns übliche Übereinanderschlagen der Beine wird allenfalls in der Verborgenheit unter dem Tisch toleriert. Denn schließlich könnte die Sohle ja aus Versehen auf das Gegenüber zeigen und ihn damit beleidigen.
Vor dem Betreten des Andachtsraumes eines Tempels oder Wohnraumes eines Privathauses ist es Sitte, die Schuhe auszuziehen. Bei einem Besuch von religiösen Stätten sollte bei der Kleidung und im Benehmen die gleiche Umsicht wie in anderen Ländern geboten sein. Auch buddhistische Mönche, Buddhastatuen und andere religiöse Symbole sollten mit dem gebührenden Respekt behandelt werden. Zudem ist es dringend anzuraten, jede kritische Bemerkung über das hoch angesehene Königshaus zu vermeiden. Der König wird niemals karikiert oder bewitzelt. Wenn im Kino, vor dem Hauptfilm, ein Portrait des Königs gezeigt und die Nationalhymne gespielt wird, sollte man wie die Einheimischen aufstehen und die Hochachtung vor dem König bezeugen. Auf den Boden fallende Geldscheine oder Münzen dürfen nicht mit den Füßen aufgehalten werden, weil auf ihnen ein Abbild des Königs zu sehen ist.
Kaum zu glauben ist, dass Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau in Gegenwart anderer – auch wenn es die eigenen Kinder sind – nicht üblich sind. Selbst junge verliebte Pärchen werden in der Öffentlichkeit nicht Händchen halten. Auch ist es für thailändische Männer nicht denkbar, Frauen in der Öffentlichkeit den Hof zu machen. Deshalb brauchen europäische Frauen auch nicht befürchten permanent von einheimischen Männern angesprochen zu werden. Wenn man mit jemanden sprechen möchte, ruft man dezent mit einer kleinen Handbewegung. Niemals klatschen oder mit den Fingern schnippen, sondern mit der ausgestreckten Hand, mit der Handfläche nach unten, die ausgestreckten Finger wellenartig bewegen. Auf Gegenstände und Tiere kann man mit den Fingern zeigen, niemals aber auf Menschen.